Arta și arheologie dacică și romană

ZUSAMMENFASSUNG

Die Vielfalt der Probleme und die lange Zeitspanne, die das Buch umfaßt (IX.—VIII. Jahrhundert v. u. Z. — IV. Jahrhundert u. Z.), dienen dem Zweck, aufgrund einer nuancenreicheren Forschungssicht das Verständnis für die antike Kunst im Bereich Dakiens als integrierenden Teil der Vorstellung von der fernen Vergangenheit Rumäniens zu untermauern.
Das vorliegende Buch ist eigentlich ein Diskurs über die Methode, mit Beispielen, da es nicht nur unbekannte Denkmäler, sondern auch Neudeutungen einiger bereits bekannter enthält und das im weiteren Zusammenhang aller Kategorien von Quellen, die ihren Sinn zu erläutern vermögen, da sie sowohl innerhalb des betreffenden Kulturbereichs wie auch außerhalb seiner Bezüge herstellen; so ergab sich von selbst die Notwendigkeit, im ersten Kapitel jene visuellen Paradigma theoretisch zu erfassen, die dem Verständnis eines Kunstwerks, der Wissenschaft des Sehens und in letzter Instanz der eigentlichen historischen Forschung unerläßlich sind, als Bemühen um die Schaffung eines geistigen Bildes von einer dahingesunkenen Vergangenheit, das sich aus ihren materiellen und geistigen Zeugnissen nur schwer ergänzen läßt.

Visuelle Paradigmen und die Erforschung der antiken Kunst
Der Sinn des Begriffs parädeigma (Modell, Vorbild) ist in der Theorie der griechischen Kunst ebenso geklärt wie die Anschauung vom Raum bei den Vorsokratikern, in engem Zusammenhang mit der in der archaischen Kunst der Griechen erkennbaren Visualität. Für das Studium der antiken Kunst werden hier drei Kategorien von Paradigmen in Vorschlag gebracht: poietische, ästhetische und exegetische. Die poietischen Paradigmen sind geistige Modelle, beruhend auf der einer bestimmten Epoche eigenen Visualität, gemäß der Künstler ihre Werke schaffen. Unter ästhetisch visuellen Paradigmen verstehen wir im allgemeinen die idealen Modelle, die die optischen Berichtigungen anstreben, die Künstler und Architekten an ihren Werken vornehmen, um dadurch die fehlerhafte Wahrnehmung des Auges zu vermeiden. Das Übergewicht der visuell ästhetischen Paradigma über die poietischen beginnt sich schon in der ersten Hälfte des V. Jahrhunderts v. u. Z. anzukündigen. In dem Wunsch, die Illusion der Bewegung nicht nur durch die Erfassung eines ihrer Momente zu erwecken, sondern auch durch die Darstellung aufeinanderfolgender Phasen, die das Auge wieder als Ganzes sehen kann} wenn es ihnen folgt, geben verschiedene Werke in Miniaturform, besonders Münzen, den Körper des selben Tieres (Fisch, Delphin) in mehreren Schwimmstellungen wieder. Visuelle exegetische Paradigmen sind jene Deutungsschemen, in die wir Artefakte mittels Vergleichs typologischen oder chronologischen Reihen zuordnen. Sehr oft läßt die Unstichhaltigkeit solcher Zuordnung exegetische Pseudoparadigmen entstehen. Deren Enthüllung und Bekämpfung ist der rote Faden, der das ganze Buch durchzieht.

Koordinaten und Bezüge des Tiermotivs; eine mögliche Methodologie der thrako-dakischen Kunst und ihres Zusammenhangs
In diesem Kapitel wird das Gebot stipuliert, das eurasiatische Tiermotiv, das, geographisch genommen, in den Zonen im Norden der Kette von Hochzivilisationen vom Pazifik bis Atlantik angesiedelt ist, nicht durch das Prisma der figürlichen Kunst von griechischer Herkunft zu untersuchen, sondern durch eine Methode, die mehrere spezifische Gegenbeheiten des betreffenden Stoffs berücksichtigt. So werden folgende Sachverhalte in Betracht gezogen: 1) Das Tiermotiv erfordert mehrere „Stille". 2) Es trägt ahistorischen Charakter wie jede Kunst einer vorgeschichtlichen Gemeinschaft, deren Entlehnungen aus den historischen Zivilisationen nicht nach zeitlichem Prinzip erfolgt, sondern nach praktisch unvorhersehbaren Wahlverwandtschaften. 3) Die kunstgewerbliche Natur der Artefakte mit Tiermotiv setzt eine zahlenmäßig beschränkte Gesamtheit an plastischen Elementen voraus, die allen Zeiten und Räumen gemein ist. Deshalb geben Ähnlichkeiten im Einzelnen zwischen zwei oder mehreren Stücken nicht Aufschluß über Gleichzeitigkeit, Gemeinsamkeit der Herkunft oder „physische" Kontakte zwischen den betreffenden Völkerschaften. Daher kann man nicht von Werkstätten im Sinne von „Schulen" sprechen. Schlüssig ist bloß der Vergleich der stillistischen Besonderheit der Stücke untereinander.

4) Das Tiermotiv weist die Tendenz auf, sich zum Pflanzenmotiv zu entwickeln. 5) Das Tiermotiv ist eine Modalität des künstlerischen Ausdrucks, die sich auf tiefe Kenntnis der Tierwelt gründet, auf seine Verwendung als „totemisierendes" Symbol des Seelenlebens und der Glaubensvorstellung jeder Völkerschaft, die es gebraucht. Vom Pazifik bis Atlantik befand sich das vor- und frühgeschichtliche Tiermotiv zonenmäßig in ständigen Beziehungen sowohl zu den Motiven der historischen Zivilisationen des Südens wie zu denen der Nachbargebiete in Ost und West. Die Kunst der Thrako-Daker stand beständig unter dem Einfluß der griechischen Kunst, deshalb anthropomorphisierte sie sich rascher und eingehender. Der griechische An-thropomorphismus spielte eine wesentliche Rolle und dessen Verquickung mit dem Tiermotiv wirkte sich zu Ungunsten des letzteren aus. Eine Plastik des Tiermotivs besteht in der Welt der Thrako-Geten von der Bronzezeit bis ins I. Jahrhundert u. Z., doch hatte die südlichgriechische Strömung die Partie schon sehr früh gewonnen. Die Schematisierung der Menschengestalt geht nicht bis zur Sprengung des Organischen wie bei den Kelten, was ein Charaktermerkmal der Kunst der Thraker und somit ein Beweis für die Kraft der griechischen Ausstrahlung ist. Die Kunst der Thrako-Daker bestimmt ihren Platz im Rahmen des Gebrauchs des Tiermotivs auch dadurch, daß sie, neben der unmittelbaren Beeinflussung durch Griechenland und die dadurch bedingte Übernahme des Anthropomorphismus, das Tierhafte nicht zerstört wie die Kunst der Steppenvölker, die sich so selbst vernichtet, und sie zersetzt diesen Anthropomorphismus auch nicht wie die keltische, die in der Kunst der Westprovinzen des Römerreichs und dann des mittelalterlichen Westeuropas fortleben sollte, sondern bewahrt gleicherweise das Organische der Menschengestalt und des Tierprofils, das sie höchstmöglich schematisiert.

Die Thrako-Daker und der Orient
Im ganzen Verbreitungsbereich des eurasiatischen Tiermotivs gibt es außerhalb des von Süd nach Nord ausstrahlenden Einflusses oder des Umlaufs von Dekorelementen von Ost nach West, mehrere unerklärliche Unikate, die jedoch sehr beredt Zeugnis ablegen von den Wanderungen der Elemente der Thoreutik, der Schmuckkunst, außerhalb der „Einflüsse" oder der Völkerschaften, die ihre Träger waren. Zu diesen gehört auch der Schatzfund von Wyltschitryn (10/a; 11/b, c). Wenn die Typologie der aufgefundenen ein- und zweihenkligen Gefässe nicht nur dem Karpaten- und Balkanraum gemeinsam ist, sondern auch in Westanatolien, in der Ägäis, dem peninsularen und kontinentalen Griechenland vorkommt, angefangen von der Mitte der Bronzezeit und bis an das Ende der Hallstatt-Periode, so sind die Buckelscheiben von zweierlei Größe wie auch das „Dreiraumgefäß" Stücke, für die wir unmöglich Analogien im Gebiet der Unteren Donau finden können; selbstverständlich sind nicht identische Gegenstände gemeint sondern Ähnlichkeiten, die zugleich auch ihren Zweck erklären. Andererseits bleiben alle spekulativen Erwägungen über die Dekormotive der Gefäße und Scheiben von Wyltschitryn unerheblich, da auch sie geographisch weit verbreitet und mehreren Kulturschichten von der Jungsteinzeit bis zur Hallstatt-Periode gemeinsam sind. Wichtig ist jedoch der formale Zusammenhang der Fundstücke und die Technologie, in der das Dekor ausgeführt ist, eine Technologie auf hohem Stand, die Ähnlichkeiten aufweist mit der Kunst der Gold- und Silberbearbeitung in Anatolien und Mesopotamien seit den ältesten Zeiten und bis ans Ende des Assyrischen Reiches. Das „Dreiraumgefäß" ist im Grunde eine Trüyhnos oder besser gesagt eine dreifache Unschlittlampe mit Behälter, wie ich sie auf Abb. 5 wiederherzustellen suchte. Die Scheiben in zwei Größen sind Schmuckscheiben des goldenen Frieses eines Empfangssaals, der mit Bronzeblech ausgekleidet war, meine Annahme, zu der uns ähnliche Stücke aus Ton bereichtigen, die die Innenhöfe assyrischer Paläste schmückten (13/a-c). Der Hort stellt, wie leicht zu bemerken ist, einen Teil des Beuteguts von Kimmeriern oder Trerern dar, das sie von der Plünderung einer der Königsresidenzen des in stürmischem Niedergang begriffenen Assyrerreichs mitbrachten. Ihre Plünderungszüge setzten sie, während wirrer Zeiten, in Anatolien fort, bis die zwei neuen Großmächte, der der Meder und Lydier, die ganze Zone unter ihre strikte Kontrolle brachten.

Wie Herodot erzählt, geschah es damals, zu Beginn des VII. Jahrhunderts v .u. Z., daß der lydische König Alyattes sie aus der Troas über den Hellespont nach Thrazien trieb. Die Kimmerier verlieren sich in der Geschichte, während sich die Trerer nördlich des Haemus niederließen, wo sie Thukydides am Ende des V. Jahrhunderts v. u. Z. erwähnt. Von allen thrakischen Bevölkerungen, die nach Kleinasien übersetzten, waren die Trerer die einzigen, die unter den erwähnten Umständen in ihre Heimat zurückkehrten und sich, da sie keinen anderen Landstrich mehr fanden, im Randgebiet der thrakischen Odrysier ansiedelten, ungefähr in der Gegend, wo der Schatz von Wyltschitryn entdeckt wurde.

Medaillons von thessalischem Typus und verwandte thrakisch-dakische Zierarte
Im vorliegenden Kapitel wie im nächsten wird versucht, einige Wesenszüge der geto-dakischen Thoreutik (Schmuckkunst) in ihrer letzten Phase festzulegen, die zeitlich annähernd das ganze I. Jahrhundert v. u. Z. einnimmt. Diese letzte Phase bedeutet keine „andere Welt" in der Kunst der Metallbearbeitung bei den Thrako-Dakern im Vergleich zu dem, was wir als Beispiel anzuführen gewohnt sind, wenn wir von Erzeugnissen der Schmuckkunst aus dem IV. Jahrhundert v. u. Z. sprechen (Agighiol, Băiceni, Craiova, Peretu, Poroina usw.), sondern fügt sich in eine technische und bildnerische Kontinuität, zu der immer neue Eingebungsquellen hinzukommen, aufschlußreich für Entstehung und Entwicklung einiger Typen, die sie von der Periode der „großen Horte" klar zu unterscheiden scheinen. Medaillons mit Menschenbüsten, die der Schmuckkunst angepaßt sind und die aus dem I. Jahrhundert v. u. Z. aus der thrakischdakischen Welt stammen, wie Phalerae, Fibeln (mit der Variante der dreieckigen Fibeln von Coada Malului, Bălăneşti usw.) oder Kelchböden (Jakimowo), für die wir ein älteres griechisches Modell annehmen, wie es von den Lockenringen von Kul-Oba und Balschaja Blisnitza in entfernterer skythischer Gegend bestätigt wird, oder von den Medaillons thessalischen Typs (von denen sich eines im Nationalmuseum für Geschichte und Arehäeologie in Constanţa befindet), in Gebieten, die der thrako-dakischen Sphäre so nahe lagen.
Die Tradition dieser Medaillons in der spät-hellenistischen Welt ist dem Exemplar aus Apollonia oder von jenen aus der Sammlung Severeanu gekennzeichnet, eine Überlieferung, die ununterbrochen bis ins VI.—VII. Jahrhundert u. Z. andauert, wie der Brautgürtel in Konstantinopel gefunden (14/a-c; 15/a-d; 16/a-d; 17/a).

Die späte thrako-dakische Thoreutik und ihre Vorläufer
Diese Vorläufer, die die Verbindung mit der Periode der „großen Horte" herstellen, sind entweder noch unerschlossene Schatzfunde (aber seit Jahrzehnten entdeckt und in bulgarischen Museen befindlich), oder Horte, aus bekannten Fundstücken bestehend, deren Chronologie jedoch einer Neuwertung bedarf. Aufgrund einer komplexen Argumentation wie der Funde, deren Datierung aus dem I. Jahrhundert v. u. Z. gesichert ist, folgen wir in umgekehrtem Lauf der Entwicklung und Stilisierung der Motive sowie der Übernahme neuer und auch jener Formen von Gefäßen, die im mittleren und späten Hellenismus weit verbreitet waren und bringen folgende zeitliche Zuordnung von Fundstücken der Schmuckkunst in Vorschlag, die im Karpaten- und Donauraum verbreitet waren, eine Zone, in der die eigene kunstvolle Silberbearbeitung der Thrako-Daker höchste Blüte erreichte: das Rhyton (Trinkhorn) von Poroina (6/b-c), der Hort von Radjuwene (Stojanowo), der, unserer Ansicht nach, aus mehreren Gründen vom Anfang des III. Jahrhunderts v. u. Z. datierbar ist (21/a, c; 22/b), der Hort von Lukowit (22/a; 23/a, d,; 24/b, d), der Hort von Letniza (24/e,f; 25/a-c), der Becher (25/d; 50/b), und das Horn-Rhyton (26/a, b; 50/c) der Sammlung Severeanu; hinsichtlich des Dekors stehen sie in engen Zusammenhang mit den Silbergefäßen von Sîncrăieni, den Schatzfunden von Herăstrău, Coada Malului, Bohot, Sindel usw., wobei diese letzteren die Endphase der thrako-dakischen Thoreutik bezeichnen. Von allen Argumenten, die zur Unterstützung dieser zeitlichen Aufeinanderfolge erbracht wurden, ist von erstrangiger Bedeutung — auch weil sie sich auf die Typologie bisher unbekannter Silberkannen beziehen, es handelt sich um ein Exemplar aus dem Hort von Radjuwene und drei aus dem von Lukowit — das Vorkommen solcher dakischer doppelter Kegelstumpfgefäße, in einer älteren Phase von Hand oder auf der Töpferscheibe gefertigt, später, in der klassischen Periode der geto-dakischen Zivilisation nur noch auf der Töpferscheibe und poliert.

Unseres Erachtens hatten die geto-dakischen Tongefäße die Silberkannen von der Art ener aus Radiuwene und Lukowit zum Modell, umso mehr als die ersten, in der klassischen Periode nicht nur ihre Formen kopieren, sondern auch die Politur, nach einer zu Ausgang des Hellenismus gewohnten Praxis, aus billigem Werkstoffen ähnliche Formen wie die aus den immer seltener werdenden Edelmetallen herzustellen (18/a-e; 19/a-f; 20/a-d; 21/a-c; 22—27).

Die Kunst der geto-dakischen Münzeft
Kein noch so knapper Überblick über die Kunst der Thrako-Daker kann heute umhin, den geto-dakischen Münzemissionen Beachtung zu widmen. Die bildlichen Darstellungen dieser Emissionen stand in ihrer Gesamtheit mit den mazedonischen Münzen, als deren barbarisierte Kopien sie galten. Ältere sowie neuste Forschungen hoben jedoch das Bestehen dreier Typen von Münzen hervor, die keinen mazedonischen Urbildern nachahmen, zum Unterschied von anderen, die sicherlich Imitationen mazedonischer bildlicher Darstellungen sind. Ich habe darauf hingewiesen, daß die Darstellungen auf den drei Münztypen mit der thrakisch-getischen Bilderwelt in Zusammenhang zu bringen sind. Auf diese Weise lassen sich enge Verbindungen zwischen den örtlichen Glaubensvorstellungen und der anthropo- und zoomorphen Symbolistik der geto-dakischen Welt feststellen. Konventionellerweise wurde den Typen der bodenständigen Serie, von der die Rede ist, die Bezeichnung Bendis (30/c, d) verliehen, „zweigesichtiger Kopf einer männlichen Gottheit" (30/e, f) und „Pandakische Jiblea" (31/c-e). Ihre Datierung aus der ersten Hälfte des IV. Jahrhunderts v. u. Z. beruht auf der Erwägung, daß sie den Nachahmungen mazedonischer Münzen vorausgehen und sich auf thrakische Münztraditionen beziehen, wie die Vorderseiten thasischer Silbermünzen aus der ersten Hälfte des IV. Jahrhunderts, die den Kopf eines bärtigen Dionysos aufweisen, deren strukturelle Gestaltung wie die Einzelheiten der Ausführung zu den geto-dakischen Exemplaren passen und die Prägung dieser Münzen vor allem in Oltenien erfolgte, im Gebiet, das dem thrakischen Süden am nächsten lag; eine von ihnen, die pandakische Jiblea, erfuhr auch eine gewisse Verbreitung jenseits der Karpaten, wo wir eine ihrer im Stil leicht keltisierten Varianten zu finden vermuten, und schließlich zeitigte nur dieser letzte Typus der Serie weitere bildliche Darstellungen, die parallel mit den immer mehr schematisierten Nachahmungen mazedonischer Münzen bis ans Ende des dakischen Münzwesens reichen (28—38). Entgegen einiger heutiger Ansichten glauben wir nicht, daß die ersten und sogar die überwältigende Mehrheit der dakischen Münzen unter keltischen Einflüssen und Impulsen geprägt wurden, sie beweisen vielmehr die organische Verbundenheit der geto-dakischen Stammeswirtschaft mit der thrakisch-griechischen und hellenistischen Welt; deren bodenständiger und spontaner Charakter läßt die frühe Integration Dakiens in einen Zusammenhang von Belangen und Zielen erkennen, die das Vorrücken der römischen Legionen nach der Mitte des II. Jahrhunderts v. u. Z. stören und vernichten sollte. Die Auswirkungen des Zerfalls der hellenistischen Wirtschaft, die gleicherweise griechisch wie „barbarisch" war, wurden ihrerseits zu den Ursachen der Erschütterungen unter den Nachbarvölkern, insbesondere was Dakien betrifft, ebenso wie der militärischen und politischen Aktionen Burebistas, wie sich im nächsten Kapitel zeigen wird.

Burebista, Decebalus und der romische Vorstoß
Ausgehend von der notwendigen Unterscheidung zwischen den Ursachen der Kriege Burebistas und denen, die Decebalus führte, werden der Reihe nach die Zusammenhänge dieser beiden bedeutsamen Momente in der Geschichte des vorrömischen Dakiens im Lichte aller uns verfügbaren Quellen analysiert. Auf diese Weise wird festgestellt, daß das Moment Burebista hinsichtlich der Ostpolitik Roms mit Pompejus verknüpft, den letzten Versuch nach der Episode Mithridates VI. Eupator bildet, unter der Ägide dessen, der bei Pharsalos besiegt werden sollte, vom griechischen Orient in der Wirtschaft und zum Teil auch in der Politik wiederherzustellen, was sich einigermaßen wiederherstellen ließ.

Die Sympathie, deren sich Pompejus in der griechischen Welt Kleinasiens und Europas erfreute und die viele der Führer der nichtgriechischen Völkerschaften der Randgebiete teilten, wird uns durch eine Nachricht bei Appian (II, 51) bestätigt und, was Burebista angeht, durch das Dekret für Akornion, Bürger der Stadt Dionysopolis. Die erwähnte Inschrift spricht davon, daß die Herrschaft Burebistas über das rechtsseitige Donaugebiet schon einige Zeit vor dem Jahr 48 v. u. Z. erstarkt war, das das Jahr der Sendung Akornions bei Pompejus und der Schlacht von Pharsalos war. Diese Inschrift besagt jedoch nichts über die Eroberung der Städte an der Nord- und Westküste des Schwarzen Meeres und über den eventuellen bevorrechteten Status der Stadt Dionysopolis dank ihrer Freundschaft mit dem Getenkönig. Strabo selbst, der aus dem Pontischen Amasia stammte, erwähnt dort, wo er von Burebistas diplomatischer und Feldherrnbegabung sowie von seinen Waffentaten spricht, unter diesen letzteren kein so wichtiges Ereignis, wie es die Eroberung, Plünderung und Einäscherung der Griechenstädte an der Schwarzmeerküste, von Olbia bis Apollonia, gewesen wäre. Nicht einmal Dion von Prusa, der Philosoph, der Dakien im Jahre 96 u. Z., während der militärischen Vorbereitungen Decebalus', besuchte und dabei von Olbia kam, wo man ihm erzählte, daß die Geten vor 150 Jahren (also etwa um 55 v. u. Z.) die Stadt und die ganze Küste bis Apollonia verheert hatten, nennt die hervorragende Persönlichkeit Burebistas als den Urheber der grosen Zerstörungen in den Griechenstädten. Beim erneuten Studium aller Belege über dieses Problem stellte ich fest, daß den Waffentaten Burebistas mit Sicherheit auch die Verwüstung der pontischen Städte zugeschrieben wurde, und das aufgrund der Vermutungen Dittenbergers und Latyschews hinsichtlich zweier Inschriften, einer aus Tomi und einer aus Odessos, die von den Schwierigkeiten handeln, denen die genannten Städte zu jener Zeit begegneten. Diese letzten sahen ihrerseits in dem Bericht des Dion von Prusa einen chronologischen Grund für die Vermutung, daß Burebista die erwähnten Verwüstungen verursachte. Die spätere Geschichtsschreibung übernahm die Vorstellung von einem Burebista, der die griechischen Künstenstädte zerstörte, ohne dieses exegetische Paradigma erneut kritisch unter die Lupe zu nehmen. Unserer Ansicht nach besteht kein historischer Grund, der eine solche Behauptung rechtfertigt. Im Gegenteil, das Bild eines tapferen aber auch geschickten Stammesführers, das uns Strabo entwirft, und die Verhandlungen mit Pompejus durch Akornion zeigen uns Burebista als Politiker, der, wie bereits dargelegt, daran interessiert war, sein Volk in Verbindung mit der griechischen Wirtschaft, die Pompejus wahrscheinlich wiederherzustellen beabsichtigte, zu vereinigen.

Glasbläsereien in der Dobrudscha und die Beziehungen zum römischen Orient
Die am Ende des I. Jahrhunderts v. u. Z. an der phönizischen Küste Syriens gemachte Erfindung der Glasbläserei, zunächst in Formen und dann auch frei, ist unbestreitbar die größte Errungenschaft der hellenistischen Technologie. Dies Verfahren verbreitete sich rasch in Italien und Gallien, wo Werkstätten eröffnet wurden, die bald mit denen des Orients konkurrieren sollten. Der Handel mit der neuen Ware gestaltete sich besonders rege. Die Griechenstädte am Pontus waren an der Zeitenwende wie in den darauffolgenden Jahrhunderten Kunden der orientalischen Glasbläser. Von den gemeinsamen Formen, wie etwa den Salbflaschchen vom Beginn unserer Zeitrechnung, erweisen sich viele als aus dem Orient nach Pantikapaeum, Kepoi, Tomi und natürlich auch in die anderen Städte an der Nord- und Westküste des Schwarzen Meeres eingeführt. Unter den Entdeckungen in den genannten Städten gibt es jedoch auch Glasgefäße, die in Formen geblasen wurden und aus den Werkstätten berühmter Glasbläser stammen wie Ennion (39/c—41/a), der an der Zeitenwende an der syrischen Küste arbeitete, einer der ersten, der die neue Erfindung des Blasens der Glaspaste weitgehend anwandte. In der Sammlung Severeanu befindet sich ein Flakon (39/a, b), der höchstwahrscheinlich an der Küste der Dobrudscha gefunden wurde und der die Zahl der Exemplare der Type Yahmour (nach dem Namen zweier Grabstätten in Syrien) und die Harden Ennion zuschrieb, auf 15 Stück erhöht.

Meeresgottheiten und Dämonologie des Wassers in Scythia Minor
In diesem Kapitel wird versucht, neue Hypothesen aufzustellen und den Forschern noch unbekanntes Material über Kulte und Glaubensvorstellungen der Küstenbewohner, Seeleute und Fischer in den Griechenstädten der Dobrudscha zur Kenntnis zu bringen. So versuchen wir die Erklärung des Bildes auf der Vorderseite der Silbermünzen von Histria (43/a, b) durch das Symbol des Sternbilds der Zwillinge (21. Mai — 22. Juni), wenn das Meer beginnt, der Schiffahrt größere Sicherheit zu bieten (Vegetius, IV, 32) und die Frühjahrsperiode des Störfangs, die wichtigste Einkommensquelle Histrias, vorüber ist. Unter den Meeresgottheiten, die zur Römerzeit in dieser Stadt verehrt wurden, befand sich Poseidon Heliconios, dem, wie wir annehmen, ein Monument gewidmet war, zu dem auch das Bruchstück des Hochreliefs gehörte (44/a, b), das sich im Depot der Grabungsstelle befindet. Vom selben Ort und aus der selben Zeit stammt auch ein inschriftloser Altar (43/c), in dessen Figurenschmuck wir eine Fortuna zu erkennen glauben, die Beschützerin der Seefahrer, die hier die Huldigung eines von ihnen entgegennimmt. An den Kult der Aphrodite Pontica von Histria, deren Tempel noch seit der archaischen Epoche bestand, knüpft sich vielleicht die Opfergabe der einiger Harpyien darstellenden Gefäße, die Pärvan im Tempelbezirk entdeckte sowie, unserer Annahme nach, das marmorne Bruchstück eines Vogels aus hellenistischen Zeiten (45/d), der, mehreren Anzeichen zufolge, eine Harpyie sein könnte. Terracotta-Statuetten aus Tomi von der Art der Demeter-Kore Parädrae stellen ebenfalls zwei Harpyien dar (44/c, d) ; die Exemplare stammen aus dem I. Jahrhundert v. u. Z. — I. Jahrhundert u. Z.. Zu den Dämonen des Wassers in der Pontus-Gegend gehörte auch Forkys, dem in Histria eine bescheidene Opfergabe zuteil wurde; zu seiner Veranschaulichung führen wir zwei Darstellungen aus der Römerzeit aus, auf einer Unschlittlampe (45jb) und der Form zu einer solchen (45/e), die von irgendeinem Ort an der Küste der Dobrudscha stammen. Schließlich erscheinen ebenfalls in Histria in der römischen Epoche auf einem Grabmal eine Scylla und eine Sirene (45/a, c). Die Bedeutung der letzteren für den Totenkult ist von mehreren ähnlichen Darstellungen in der Römerwelt wohlbekannt, während die erste, so viel wir wissen, nur in Dakien begegnet.

Das letzte Bildnis Trojans
Hier wird ein Marmor köpf aus der Sammlung Severeanu (54/a, b) untersucht, der von besonderem Interesse ist, da er neben dem Bronzemedaillon von Ankara die letzte figürliche Darstellung des Kaisers ist, kurze Zeit vor seinem frühen Ende geschaffen.

Ein ungewöhnlicher Denar aus Turda
Die politische Krise des Jahres 238 u. Z. wird auch in numismatischer Hinsicht durch ein Symptom sichtlicher Verwirrung bestätigt. Die erste Emission von Denaren, die Balbinus in Rom prägen ließ (42/c, d), sogleich nachdem ihn der Senat zum Kaiser ernannt hatte, weist auf der Vorderseite ein Bildnis auf, das durch seinen Naturalismus im Gegensatz zu den späteren bildlichen Darstellungen steht, deren offizieller Charakter gleicherweise durch die Münzporträts wie die freistehenden Büsten unterstrichen wird; die Kehrseite der Münzen dieser Emission erwähnt in der kaiserlichen Titulatur nur ein Konsulat, obwohl der Senator das zweie im Jahre 213 bekleidet hatte. Daß es sich um keinen bloßen Prägefehler handelt sondern um die schleuderhafte Arbeit der kaiserlichen Kanzlei, bestätigt ein Millarium von Sitifis in Mauretanien (CLL., VIII, 10342), wo in der Titulatur des Balbinus auch nur ein einziges Konsulat vermerkt ist.

Die große Kamee Rumäniens
Die Kamee in mehrfarbigem Sardonyx, die Ing. C. Orghidan der Rumänischen Akademie zum Geschenk machte, ist die fünftgrößte der Welt. Sie stellt die Apotheose des Julian Apostata und der Flavia Helena dar (56/a), wie sich aus dem Vergleich der historischen Daten mit der Lesung des Reliefs des glyptischen Monuments ergibt. Die Darstellung des Julian als Serapis und der Helena als Isis verknüpft die Große Kamee Rumäniens mit anderen monumentalen Hinterlassenschaften der Epoche, unter anderem auch mit der Patera aus dem Schatz von Pietroasa, der gemeinsame Wesenszüge der gleichen künstlerischen Atmosphäre aufweist (47—48).

Überlieferungen, Einflüsse, deutendes Schaffen
Das Nachwort zu diesem Buch definiert diese drei Begriffe im Zusammenhang mit der antiken Kunst des vorrömischen Dakiens, legt die Bezüge zwischen ihnen fest, umreißt einige Ausgangspunkte des Studiums der antiken Kunst des römischen Dakiens in eiaem für den gesamten Landesbereich Rumäniens einheitlichen Ganzen und unterstreicht die Besonderheit eines jeden Gebiets sowie die Beziehungen zwischen den Zonen außerhalb und innerhalb des Limes bei der Entwicklung der allgemeinen und unumkehrbaren Erscheinung der Romanisierung. Gleichzeitig wird dargelegt, wie dank der engen Beziehungen zwischen der geto-dakischen Welt und der griechisch-römischen Zivilisation, der Romanisierungsprozeß auf einem günstigen Nährboden vor sich ging, der selbst nach dem Rückzug unter Aurelian weiterbestand und sich sogar ausdehnte, und das kraft einer noch im IV. Jahrhundert v. u. Z. erfolgten Entscheidung, über die die Kapitel IV—VII neue Klärungen und genauere Angaben bieten.

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